Ich war gerade mal 10 Jahre alt, als mein Vater uns verließ. Meine Mutter musste uns von nun an allein versorgen, und so passierte das, was in den Favelas, den Armenvierteln, an der Tagesordnung ist: Ich begann zu klauen.
Am Anfang war es natürlich harmlos – hier und da mal was zum Essen, Orangen und Kekse und eben alles, was gut in die kleine Hosentasche passte. Und dann hieß es: Gas geben, um von der Bildfläche zu verschwinden. Meine Schnelligkeit auf dem Platz habe ich wahrscheinlich noch aus dieser „Sprinter-Zeit“. Je älter wir wurden, desto mehr Blödsinn hatten wir in unseren Köpfen. Drei Jungs begannen irgendwann mit billigen Drogen. Eines Tages gerieten zwei meiner Freunde durch einen Drogen-Dealer an die falschen Leute und rutschten so immer tiefer in die Drogenszene. Wenig später musste ich eine der schrecklichsten Erfahrungen meines Lebens machen. Meine Freunde wurden alle beide von der Polizei erschossen.
Meine Mutter hat mir in dieser Zeit sehr geholfen. Sie hat mich getröstet, mir aber auch klargemacht, was für eine Zukunft ich in einem solchen Umfeld zu erwarten hätte. Sie war es, die mich in dieser Zeit immer wieder zum Bolzplatz geschickt hat und mir sagte, dass ich dort besser aufgehoben wäre als auf der Straße. Wie recht sie doch behalten sollte! Ich habe damals entschieden, mich von nun an von Drogen und Kriminellen fernzuhalten, und das war meine erste gute Entscheidung als kleiner Junge.
Eines Tages ist etwas sehr Außergewöhnliches passiert. Meine Mutter war nach langer Zeit mal wieder in eine Kirche gegangen, um sich für einen Moment zu besinnen. Als sie nach Hause kam, schien sie irgendwie verändert zu sein. Soweit wir Kinder das verstehen konnten, erzählte sie uns von einer merkwürdigen Begegnung mit Gott, die sie dort gemacht hatte. Sie sprach von Gottes Liebe für uns, und dass wir jetzt alle auf Jesus vertrauen sollten. Natürlich haben wir das damals nicht so ganz begriffen. Aber bei meiner Mutter schien das etwas Anderes zu sein. Vor diesem Erlebnis war sie immer wieder sehr verzweifelt gewesen und hatte Angst, dass sie es ohne unseren Vater nicht schaffen würde. In den folgenden Tagen konnte ich bei ihr sehen, wie der Glaube an diesen Jesus ihr Leben scheinbar wirklich veränderte. Sie wurde auf einmal viel ruhiger und gelassener, und der Glaube schien ihr Kraft zu geben, für uns fünf Kinder noch hingebungsvoller zu sorgen. Es wirkte beinahe, als ob irgendjemand auf unsere Familie aufpassen würde, denn einige Dinge liefen von nun an besser für uns.
Wenn ich anfangs auch sehr skeptisch war, bin ich, je mehr ich sah, wie glücklich meine Mutter auf einmal war, sehr neugierig geworden, was es denn mit diesem Jesus auf sich hat.
Bis zu diesem Moment hatte ich mit Gott nie etwas am Hut gehabt. Also fing ich dann eines Tages einfach damit an, in der Bibel zu lesen! Mir wurde klar, dass ich bei Gott Kind sein darf und er als liebender Vater immer für mich da ist.
Ich habe sehr oft erlebt, wie Jungprofis vielen Versuchungen erlegen sind. Sie bekamen sehr schnell alles, was sie sich wünschten, und so hatten sie oft mehrere Frauen gleichzeitig, haben ihr Geld aus dem Fenster geschmissen und ihr Leben vergeudet. Viele sind damals an ihrer plötzlichen Popularität gescheitert. Ich bin froh, dass ich Jesus mein Leben schon so früh anvertraut habe.
Meine junge Karriere entwickelte sich sehr steil nach oben. Eigentlich begann sie so richtig mit einem Kracher im Estadio Murikubie, als mir eines der schönsten Tore meiner Karriere gelang. Ich bekam den Ball in unserer eigenen Hälfte und sah keinen Spieler, den ich anspielen konnte. An der Mittellinie hielt ich einfach mal auf gut Glück drauf, und mein Schuss landete aus über 40 Metern im Torwinkel. Wenige Wochen später bekam ich ein Angebot, zu einem Verein nach Europa zu wechseln.
Die erste Zeit in Madrid war super – das Training, die Fans, die Euphorie und vor allem das Stadion. Manche Fußballer träumen davon, ein Mal in ihrem Leben im Bernabeau-Stadion spielen zu dürfen. Und ich sollte nun hier alle zwei Wochen auflaufen dürfen! Zu meinem ganz perfekten Glück wurde ich in dieser Zeit auch oft in das Team der brasilianischen Nationalmannschaft berufen. Statt auf Wolke Sieben zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen ja erst dann, wenn die ersten Probleme auftauchen. Sie kamen in Form von Auswechslungen und Bankschmoren.
Mein Traum vom „legendären Brasilianer bei Real Madrid” sollte tatsächlich sehr bald zerplatzen. Beim spannenden 4:2 Supercup-Sieg gegen Barcelona durfte ich zwar wieder einmal spielen, doch wenige Wochen später stand ich schon auf der Transferliste zurück nach Brasilien. Rio de Janeiro wollte mich im Tausch mit Savio haben. Irgendwie ging damals alles ganz schnell, und schon war ich wieder zurück in der Heimat.
Diese ganze Spanien-Geschichte hat mich eines gelehrt: Ich musste am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn man sich zu sehr auf seine Träume konzentriert und sich selbst und vor allem Gott dabei untreu wird. Gott gönnt uns in unserem Leben alles, aber er will nicht, dass wir unser Herz zu sehr daran hängen und er dann nur noch Mittel zum Zweck wird. Das Wichtigste im Glauben ist, dass man sich von Gott geliebt weiß, so wie man ist.
Die Kraft meines Lebens
Das ist die Grundlage meines Glaubens, und das gibt mir Kraft für alle Situationen im Leben. Das Wichtigste im Glauben ist, dass man sich von Gott geliebt weiß, so wie man ist. Das ist die Grundlage meines Glaubens, und das gibt mir Kraft für alle Situationen im Leben. Denn gerade als Profifußballer bist du ständig gefordert, du brauchst immer wieder neue Kraft für die vielen Spiele.
