Meine Geschichte ist relativ einfach und beginnt mit dem kleinen Gebet: „Ich bin klein, mein herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein.“ Dieses Gebet sprach ich immer als ganz kleiner Junge auf meiner Bettkante, kurz vor dem Schlafengehen. Jahre später erinnerte mich Jesus im Morgengebet daran, dass er dieses Gebet nicht überhört hatte.
Rockermilieu
Die ersten 37 Jahre meines Lebens waren sehr turbulent. Im Alter von drei Jahren kam ich zu meinen Großeltern, bei denen ich zehn Jahre lebte. Als ich 13 Jahre alt war, kam ich wieder zu meiner Mutter und meinem Stiefvater. Schon zu der Zeit bewunderte ich die Männer in Lederkluft auf ihren Motorrädern. Die ersten Kontakte hatte ich in den frühen Siebzigern. Es folgten zunächst zehn Jahre, in denen ich relativ solide lebte und arbeitete, bis ich ende der achtziger ins Rockermilieu zurückging. Schnell kamen weitere Kontakte, beispielsweise im Rotlichtviertel, dazu. Sehr bald stieg ich in dieser Umgebung auf und langte auf dem Höhepunkt meiner Karriere an: Präsident eines populären Motorradclubs. Gleichzeitig hatte ich aber auch einen Draht zu einem engagierten Christen, der später mein Pastor werden sollte. Meine spätere Bekehrung zu Christus hatte viel mit dem zu tun, was mir dieser Mann über Gott, Jesus und die Bibel erzählte. All dies gefiel mir, und ich begann, über mein Leben nachzudenken.
Überdosis
Im Sommer 1991 fiel ich in Depressionen und nahm eine Überdosis an Drogen. Ich lästerte und wollte Gott herausfordern. Wir hatten ein Wochenende durchgefeiert. Am dritten Tag ging es mir körperlich so schlecht, dass ich einen Notarzt rufen musste. Zu diesem Zeitpunkt war mein Körper vom Bauchnabel bis zu den Füßen schon ohne Gefühl. Ich spürte, dass es zu Ende ging. Der Notarzt gab meiner damaligen Freundin zu verstehen, dass meine Chancen, die nächsten 60 Minuten zu überleben, sehr schlecht standen. Ich hatte ihnen zugehört und erinnerte ich mich an das, was mir über Jesus, dem Herrn über Leben und Tod, gesagt worden war. Ich spürte, dass jemand nach meinem Leben griff, und wusste, dass ich mich nun entscheiden musste. Ich wollte Leben!
In dieser Nacht entschied ich mich für Jesus
In meiner Not rief ich in dieser Nacht nach dem engagierten Christen. Er kam an mein Bett und ich hatte den Eindruck, dass er in einem Licht stand. Das Licht war hell, aber es blendete nicht. Er fragte mich ganz ruhig, ob ich mit ihm beten wolle. Ich entschied mich für Jesus, die Wahrheit und das Leben. Und noch in derselben Nacht saß ich völlig wiederhergestellt in meinem Bett. Alle Symptome waren verschwunden. Ich spürte in meinem herzen einen mächtigen Frieden und eine übernatürliche Geborgenheit (s. 2.Kor 5,17). Nach diesem Wunder brauchte ich weitere drei Monate, um mich vollständig von meinem alten Lebensstil zu verabschieden (s. Eph 2,8-10). Im ersten Jahr meines Christseins hatte ich immer wieder Probleme, alte Gewohnheiten aufzugeben. Doch trotz dieser Anfechtungen und dank der Zuwendung treuer Geschwister in Christus stabilisierte sich mein neues Leben.
Viel Freude
In jener Zeit begann ich, in meiner Gemeinde Dienste wie das Putzen der Toiletten und der Küche, das Kaffeekochen oder die Parkplatzaufsicht zu übernehmen, denn Gottes Wort spricht davon, dass wir Gutes tun und einander dienen sollen. Im Jahr 1992 lernte ich meine spätere Ehefrau kennen, wir heirateten im Herbst 1994. Zwei Jahre später rief Gott mich in meinen jetzigen Dienst in der „Tribe of Judah“. Er sagte zu mir: „Gehe dahin, woher du gekommen bist, und erzähle denen, die es hören wollen, von Jesus Christus.“ Ich habe mir immer Kinder gewünscht. Mittlerweile haben wir zwei kleine Töchter im Alter von vier und zwei Jahren, die uns sehr viel Freude machen. Jesus hat also auch diesen tiefen, inneren Wunsch gehört. Ich bin der Bikerszene heute sehr verbunden. Viele Biker sind gute Freunde von mir.
Jens Ertel
Präsident
Tribe of Judah
