Cordula Späth
Im Sommer 1996 wurde bei mir eine Instabilität der Wirbelsäule festgestellt und die Ärzte verordneten, dass mein ganzer Rücken versteift werden sollte. Was dabei so genau schief gegangen ist, ist heute schwer zu sagen, jedenfalls wuchsen die implantierten Teile nicht an, sondern verschoben sich ständig, was starke Schmerzen verursachte und meinen Rücken praktisch unbeweglich machte. Ich war arbeitsunfähig, konnte mir nicht mal allein die Schuhe zubinden. Deshalb wurde mir auch ohne Probleme die Frührente bewilligt. Nur mit starken Schmerzmitteln, nur eine Stufe vor Morphium, konnte ich die Schmerzen überhaupt ertragen. Neun Jahre lang konnte ich nicht ohne die Tabletten.
Da ich Christ bin, wurde natürlich für meinen Rücken gebetet. Aber neun Jahre lang geschah nichts. Am Ende erwartete ich auch schon gar nichts mehr von den Gebeten.
Anfang des Jahres (2006) hatten wir Heilungsabende bei uns in der Gemeinde und obwohl ich eigentlich Dienst am Büchertisch gehabt hätte, wollte ich nicht gehen. Ich wusste ja, dass ich eh nicht geheilt würde, da konnte ich mir das ja auch sparen. Ich hatte mich längst mit meiner Situation abgefunden und wollte allen, die das noch nicht getan hatten, aus dem Weg gehen. Aber eine Freundin schleppte mich doch mit und am Ende des Gottesdienstes schleifte sie mich beinahe nach vorne, obwohl ich mich weigerte. Der Prediger betete für mich und wie gewöhnlich passierte nichts. Alles war wie immer, als ich nach hause ging.
Am nächsten Morgen merkte ich beim Aufwachen dann aber, dass wohl doch nicht alles wie immer war. Ich konnte mich bewegen, wie ich mich schon 17 Jahre lang nicht mehr hatte bewegen können und nichts tat mir weh. Ich konnte es selber nicht glauben. Ich nahm an diesem Tag meine Schmerzmittel nicht und konnte trotzdem handwerkliche Dinge, die schon zehn Jahre fällig gewesen waren, erledigen - ohne Schmerzen.
Ich wollte sofort meine Schmerzmittel, die ich ja nun nicht mehr brauchte, absetzen, musste aber feststellen, dass die Entzugserscheinungen so stark waren, dass mir nichts anderes übrig blieb, als sie langsam runterzudosieren und quasi einen Entzug zu machen.
Und was sagten die Ärzte? Ein Arzt in der Uniklinik konnte es nicht glauben und wollte sich sogar mit mir streiten, weil es in seinen Augen absolut unmöglich war, dass ich die Schmerzmittel nicht mehr brauche. Und ein befreundeter Arzt, der auch Christ ist sagte nur: „Als Christ kann ich das glauben, aber der Mediziner in mir kann nur zweifelnd staunen.“
